Bouchard verläßt die politische Bühne
Quebec: Lucien Bouchard hat am Donnerstag bestätigt, daß der vom Amt des Premierministers zurücktritt und zudem den Vorsitz
der Parti Quebecois abgibt. Damit überläßt Bouchard die Unabhängigkeitsbewegung Quebecs einer ungesicherten Zukunft.
Bouchard, 62, sagte, er beende seine fünfjährige Amtszeit als Premier der Provinz Quebec mit Stolz. Die ersten Gerüchte
über den bevorstehenden Rücktritt waren am späten Mittwoch Abend durchgesickert, als zwei Fernsehkanäle die
überraschende Nachricht verbreiteten. Bouchard will solange weiter Premier bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Der
Rücktritt als Parteivorsitzender hingegen geschieht mit sofortiger Wirkung.
Bouchard gab keine genaueren Angaben, was genau zu seinem Rücktritt geführt hat, sagte aber, die Partei müsse
einen Ersatz finden, der die Unabhängigkeit der Provinz besser unterstütze. Damit bleibt abzuwarten, wie die
Unabhängigkeitsbewegung in Zukunft ihr Anliegen vorbringt. Die Parti Quebecois muß nun einen Nachfolger finden, der
die Bürger genauso für sich einnimmt, wie Bouchard es getan hatte und zudem die Hardliner der Partei zufriedenstellt.
Der Rücktritt Bouchards hat sowohl die Partei, als auch die Unabhängigkeitsbewegung schwer getroffen und wird weitreichende
Konsequenzen nachsichziehen.
Nach dem Rücktritts Bouchards hat die Opposition wieder alle Chancen, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Bouchard, dessen
Festhalten am Unabhängigkeitsbestreben von den Hardlinern der Partei immer wieder in Frage gestellt worden war, hat mit
seinem Rücktritt ein deutliches Zeichen gesetzt. Auch wenn Bouchard generell die Unabhängigkeit Quebecs befürwortete,
wollte er es nur dann zu einem weiteren Referendum kommen lassen, wenn die Chancen auf Erfolg gesichert scheinen. Diese
Vorgaben sind derzeit in Quebec nicht gegeben, denn Meinungsumfragen hatten ergeben, daß die Bürger von Quebec kein
weiteres Referendum wünschen.
11.Januar 2001
Gerüchte um Bouchards Rücktritt
Quebec: Zwei Nachrichtenkanäle berichteten heute, daß Quebecs Premier Lucien Bouchard am Donnerstag seinen Rücktritt
als Regierungschef, als auch als Vorsitzender der Parti Quebecois erklären wolle. Die Quellen wurden nicht genannt und
eine Bestätigung liegt nicht vor.
Bouchard selber gab keine Stellungnahme ab und ein Sprecher dementierte die Nachricht weder, noch bestätigte er sie.
LCN hingegen berichtete, daß Bouchard aus persönlichen Gründen zurücktreten werde. Der Schritt wäre indes nicht ganz
aus heiterem Himmel, denn es hatte zwischen den Hardlinern der Partei und Bouchard, der eher gemäßigtere Ansichten
vertrat, Konflikte bezüglich Sprachen- und Unabhängigkeitsfragen gegeben.
Bouchard wurde am 29.Januar 1996 zum Premier ernannt. Dies geschah kurz nachdem die Separatisten das Referendum im Jahre
1995 verloren hatten. Seitdem hatte er oft versprochen ein drittes Referendum abzuhalten, wenn "die Zeichen dafür
günstig stünden". Innerhalb der Partei gab es aber Druck, früher aktiv zu werden. In seiner Amtszeit setzte er sich
hauptsächlich dafür ein, den Rückhalt der Bevölkerung für ein solches Referendum zu stärken.
Dennoch hat der Vater von zwei Söhnen stets das Vertrauen der Partei gehabt. Noch im Mai war er von 91 Prozent der
Delegierten bestätigt worden.
Neben den Gerüchten gab es am Mittwoch einen Zeitungsbericht, nachdem die Parti Quebecois einen Kompromiß suche, um eine
Kampfabstimmung zwischen Bouchard und einigen Hardlinern zu vermeiden. Diese hatten zwischenzeitlich einem Kandidat in spe,
der wegen seiner Äußerungen gegenüber Juden in die Schlagzeilen geraten war, ihre Unterstützung zugesagt. Der Bericht
nahm an, eine Einigung könne dahin gehen, daß Yves Michaud seine Kandidatur zurückziehe, wenn Bouchard im Gegenzug seine
Resolution offiziell zurückziehe, die Michaud für seine Kommentare über Juden tadelt.
11.Januar 2001
Ziehen dunkle Wolken am kanadischen Wirtschaftshimmel auf?
Toronto: Der Abstieg der US-Wirtschaft verlangsamt nach Auffassung eines führenden Wirtschaftswissenschaftlers bereits
den zentralen kanadischen Automobilsektor und wird die Fertigungsindustrie des Landes mit runterziehen. Kanada sitzt
nun "in der Ruhe vor dem Sturm" und die Drosselung der Autoproduktion wird in den nächsten sechs Monaten einen Dominoeffekt
auf die Gesamtwirtschaft haben. Dies ist in einem Bericht von Jeff Rubin, Chefökonom bei der CIBC, zu lesen.
Rubin hatte kürzlich vorhergesagt, daß der kanadische Dollar bis auf 60 Cents US fallen würde. Nun nimmt er an, das
kanadische Bruttosozialprodukt könne im zweiten Quartal, im Kielwasser des US-Rückgangs, um 1,4 Prozent sinken. Laut
Aussagen Rubins wird der Rückgang in Kanada zwar ein Quartal später kommen als in den USA, dafür aber mindestens im
gleichen Ausmaß, wenn nicht gar schlimmer. Rubin hat gedämpfte Erwartungen in Bezug auf das Bruttosozialprodukt, die
Arbeitslosenzahlen und alle anderen Wirtschaftskennzahlen.
Eine wirtschaftliche Rezession ist als Rückgang des Bruttosozialproduktes in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen
definiert. Finanzminister Paul Martin sieht hingegen nicht so schwarz. Er gab zu, daß die wirtschaftlichen
Nachrichten aus dem Süden nicht gut seien, jedoch sei kein Zeichen eines Übergreifens auf die kanadische Wirtschaft
erkennbar. Die Vorhersagen für Kanada seien höher und die Inflation geringer, sagte Martin.
Rubin sagt einen Rückgang der Automobilindustrie um 25 Prozent voraus, was nicht ohne Einfluß auf die anderen Branchen
bleiben werde. Rund 85 Prozent aller in Kanada hergestellten Autos werden in die USA verkauft. Martin geht davon aus,
daß die seit Anfang des Jahres greifenden Steuererleichterungen die Wirtschaft in Schwung halten werde. Auch andere
Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, daß die Wirtschaft durch die allgemeinen Steuersenkungen beflügelt
wird.
9.Januar 2001
Neue Steuergesetze bringen Steuererleichterungen, aber große Unterschiede zwischen den Provinzen
Ottawa: Seit 1.Januar 2001 sind die Bundeseinkommenssteuersätze gesenkt worden. Sie betragen nun je nach
Einkommen 16, 22, 26 oder 29 Prozent. Hinzu kommt allerdings noch die Provinzeinkommenssteuer, die je nach
Provinz sehr unterschiedlich ist.
Am einfachsten haben es die Arbeitnehmer in Alberta. Sie zahlen eine pauschale Provinzeinkommenssteuer von 10,5 Prozent.
Als Höchststeuersatz in der Provinz Alberta gilt also die 39,5 Prozentmarke. Ontario hat den geringsten Steuersatz
für alle, die weniger als 60.000 Dollar pro Jahr verdienen. Sobald diese Grenze aber überschritten wird, sieht es nicht mehr
ganz so rosig aus, da eine Zusatzsteuer (surtax) bezahlt werden muß. Den höchsten Spitzensteuersatz hat die Provinz
Quebec mit 54 Prozent bei allen Einkommen über 60.000 Dollar pro Jahr.
Damit wird erstmals ein neues Feld in der Besteuerung in Kanada beschritten. Bis jetzt war die Provinzeinkommenssteuer immer
an die Bundeseinkommenssteuer geknüpft gewesen. Mit dem sogenannten Tax-on-income System bleibt die Provinzeinkommenssteuer
seit dem 1.Januar diesen Jahres von der Bundeseinkommensteuer unabhängig. Eine genaue Übersicht der Bundes- und
Provinzeinkommenssteuersätze findet man
hier.
8.Januar 2001