Generalgouverneurin Clarkson in Berlin: "Wir sollten noch mehr voneinander lernen"
Ein umfangreiches Programm bot Kanadas Generalgouverneurin Adrienne Clarkson und ihrer Delegation, zu der vor allem viele Kulturschaffende gehörten, in der vergangenen Woche während ihres Staatsbesuchs in Deutschland vielfältige Möglichkeiten, mit führenden Politikern, mit Wirtschaftschaftsexperten, Wissenschaftlern und Künstlern Gespräche zu führen und kulturelle Eindrücke zu sammeln.

Das gegenseitige Kennenlernen sei auch die Absicht ihres Deutschlandbesuchs, betonte die Generalgouverneurin bei einem Staatsbankett, zu dem Bundespräsident Johannes Rau ins Schloss Bellevue eingeladen hatte. Dabei verwies Frau Clarkson auf die seit Jahrhunderten zwischen Deutschland und Kanada bestehenden Beziehungen und auf bemerkenswerte Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern.

So habe Kanada eine lange Entwicklung hin zu einer komplexen, auf zwei Sprachen beruhenden multikulturellen Gesellschaft durchlaufen. "Heute sind wir ein Land, das durch Vielfalt und Einwanderung gekennzeichnet ist."

"Deutschland, das einstmals geteilte Land, hat gerade ein Jahrzehnt der außerordentlichen Bemühungen um Wiedervereinigung und Versöhnung erlebt." In Dresden und beim Besuch des kanadischen Bombardier-Eisenbahnwerkes habe sie mit Menschen sprechen können, die diesen sozialen und wirtschaftlichen Wandel selbst erlebt hatten.

Trotz der vielfältigen und langen geistigen Beziehungen zwischen Kanada und Deutschland, die vor Jahrhunderten mit der Einwanderung begonnen hat und nicht zuletzt schon vor 30 Jahren zu einem bilateralen Wissenschaft- und Technologieabkommen geführt haben, sei es jetzt an der Zeit, so betonte die Generalgouverneurin, "zu Beginn eines neuen Jahrhunderts Neues voneinander zu erfahren, als enge Freunde und als Verbündete."

So seien Kanadier zwar sehr erfreut über den großen Zustrom deutscher Touristen, doch man sollte in Deutschland auch wissen, dass Kanada nicht nur ein besonders reizvolles Urlaubsziel ist. "Wir haben Menschen aus aller Welt willkommen geheißen, sei es, dass sie bei uns leben wollten oder weil sie als Flüchtlinge bei uns Schutz gesucht haben."

"Vor allem aber wollen wir unser Land durch unsere Kultur darstellen ..., durch eine Kultur, in der sich auch die Einwanderergesellschaft widergespiegelt hat und weiterhin widerspiegeln wird", unterstrich Adrienne Clarkson und betonte: "Mit Ausnahme der Urbevölkerung ist in Kanada jeder ein Einwanderer."
Quelle: Newsletter der kanadischen Botschaft

Wirtschaft - aktuell: Finanzminister Martin zieht Haushaltsplan vor
Noch im Dezember, sobald die aktuellen Wirtschaftszahlen für das dritte Quartal 2001 vorliegen, wird Kanadas Finanzminister Paul Martin dem Unterhaus in Ottawa einen neuen Etat vorlegen. Angesichts der unvorhersehbaren, enormen Ausgaben, die der Staatskasse im Rahmen der internationalen Terrorismusbekämpfung bereits in den letzten Wochen entstanden sind oder demnächst fällig werden, wird, wie Minister Martin betonte, die Aktualisierung der Finanzlage erforderlich. Finanzstaatssekretär John McCallum erklärte dazu: "Wir wissen noch nicht, was uns all die neuen Maßnahmen für die innere und internationale Sicherheit kosten werden." Die Regierung werde aber für sie aufkommen können, ohne ein Haushaltsdefizit riskieren zu müssen.

Einen Tag zuvor hatte David Dodge, der Chef der Bank of Canada, vor der Handelskammer der Atlantikprovinz New Brunswick in Moncton die Wachstumsprognosen für die kanadische Wirtschaft für 2001 auf 1,5 Prozent reduziert, da für das zweite Halbjahr mit einem Nullwachstum gerechnet werden müsse. Er betonte, die Inflationsrate werde Anfang 2002 unter zwei Prozent liegen. Zudem bemühe sich die Zentralbank mit Hilfe deutlicher Zinssenkungen (auf jetzt 2,75 Prozent) um eine verstärkte Binnennachfrage.
Quelle: Newsletter der kanadischen Botschaft


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